Fair-Trade-Handys – was steckt hinter dem Trend?

von Redaktion, am 2.5.2022

Immer mehr Bereiche unseres Lebens werden sich aufgrund des Klimawandels verändern müssen. Eine der Entwicklungen in Richtung Nachhaltigkeit in der Smart-Device-Branche sind dabei Fair-Trade-Handys. Lesen Sie in unserem Artikel alles, was Sie über die nachhaltigen Smartphones wissen müssen.

Fair-Trade-Phone_Fairphone

Was versteht man unter einem Fair-Trade-Smartphone?

Unter einem fair gehandelten Handy versteht man in der Regel ein Smartphone, bei dem darauf geachtet wurde, dass sowohl Produktion als auch Materialgewinnung unter fairen Konditionen stattfindet.

Was bedeutet eigentlich „fair“?

Fair bedeutet hier, dass Rohstoffgewinnung und Produktion unter Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen und Arbeitsschutzvorschriften erfolgen. In den letzten wurde immer mehr Kritik an der aktuellen Herstellung von Smartphones laut. Nicht nur die Herstellung des eigentlichen Handys ist dabei im Fokus, sondern auch die Materialgewinnung.

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Gerade die Materialien führen oft zu einer schlechten Umwelt- und Sozialbilanz von Smartphones. In der Herstellung von herkömmlichen Handys können von umwelt- und gesundheitsschädigende Chemikalien zum Einsatz kommen. Außerdem wird viel Wasser verbraucht und Kohlendioxid erzeugt. Der Transport der Rohstoffe, von Bauteilen und der fertigen Smartphones fließt ebenfalls in die Bilanz mit ein.

Aber auch die sogenannten „Seltenen Erden“ und andere Metalle stehen in der Kritik, da diese oft in Bürgerkriegsländern gewonnen werden und zu deren Finanzierung beitragen („Konfliktminerale“). 

Fair-Trade-Handys

Die meisten Fair-Trade-Handys Verzichten bewusst auf Metalle aus Konfliktregionen und versuchen auch die Nutzung von Chemikalien so weit wie möglich zu verringern. Dadurch ist der Herstellungsprozess weniger umweltbelastend. Hinzu kommt der Blick auf faire Arbeitsbedingungen und soziale Verträglichkeit.

Nachhaltigkeit bei Smartphones

Bei Nachhaltigkeit kommt es nicht auf die Produktion an, sondern auch auf langlebiges Design. Auch hier sind Fairtrade-Smartphones der Konkurrenz oft voraus, zum Beispiel durch bessere Reparierbarkeit und Austauschbarkeit der Komponenten. Beispielhaft sei hier der modulare Aufbau des “Fairphone” genannt. 

 Schema des „Fairphone 3“ und seinem modularen Aufbau

Nutzer*innen können so Handys ganz einfacher und sogar selber reparieren. Probleme wie die abnehmende Akkuleistung, die man von allen mobilen Endgeräten kennt, können hier einfach mit einem schnellen Wechsel behoben werden.

Hier kann auch der Anwender etwas beisteuern: Sinnvoll ist es, das Ladeverhalten so anzupassen, dass die Lebensdauer des iPhone-Akkus verlängert wird.

Die Nachhaltigkeit von Fair-Trade-Handys

Eine zu 100 Prozent nachhaltige und faire Produktion von Smartphones ist leider noch immer nicht möglich. So gibt zum Beispiel der Produzent Fairphone an, dass es schlichtweg noch keine fairen Abbaumethoden für einige Materialien gibt.

Allerdings versuchen die beiden größten Hersteller für Fair-Trade-Handys, Fairphone und Shift,  immer mehr der Materialien fair zu produzieren, dadurch konnte man den Anteil an fairen Bestandteilen auf ca. 60 Prozent steigern. Dafür wird auch auf Recycling gesetzt, so kann man bei Smartphones viel CO2 für die Produktion, die Metalle und der Komponenten einsparen.

Doch bei der Produktion kann man noch an anderen Stellen Kohlendioxid sparen. So werden Fairtrade-Smartphones oft nicht in China produziert, sondern im Falle von Fairphone in der Nähe von Amsterdam. Das Shift-Phone wird in Deutschland hergestellt. 

Hier werden vor allem CO2-Kosten für den Transport eingespart, aber auch die Produktion selbst verursacht weniger Schadstoffe. Als zusätzlichen Bonus bei einer Produktion in Europa sind Arbeitsschutz und faire Bezahlung geregelt.

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Eine Frage der Ressourcen

Bei der Herstellung von Smartphones kommt es auf die effektive Nutzung von Ressourcen an. Hier gibt es noch viel zu tun: Die Herstellungsprozesse sind energieintensiv und verbrauchen viele kritische und begrenzte Ressourcen. Gleichzeitig ist die Recyclingquote bei Smartphones durchgehend viel zu niedrig.  

Auch der Umgang mit Firmengeräten ist problematisch: Wir haben schon Unternehmen besucht, wo Geräte mit Defekten oder optischen Fehlern geschreddert wurden – aus Datenschutzgründen, und weil es einfacher ist.

Gerade einmal für 18 Monate wird ein Smartphone im Schnitt genutzt, danach wird in der Regel das Gerät ersetzt. Teilweise wird den Geräten sogar nachgesagt, dass diese bewusst so designt sind, um nach dieser Zeit kaputt zu gehen oder stark an Leistung einzubüßen. Dieser oft zu hörende Vorwurf der “geplanten Obsoleszenz” lässt sich aber nicht nachweisen.

Hinzu kommt, dass die meisten Deutschen ihre Altgeräte nicht recyceln, sondern auf andere Weise ihre alten Handys loswerden. Einer Bitkom-Umfrage zufolge gibt es in Deutschland 200 Millionen nicht genutzte Geräte. Das heißt, dass ca. 85 % der Deutsche irgendwo ein altes Handy rumliegen haben. Auch diese Geräte stellen eine Ressourcenverschwendung dar, da in den Geräten wertvolle Rohstoffe brachliegen, die rückgewonnen werden könnten.

Mit einer zertifizierten Lieferkette zum Fair-Trade-Handy

Damit Ihr Smartphone die Umwelt so wenig wie möglich belastet und keine blutigen Bürgerkriege oder unsichere Arbeitsabläufe und schlechte Löhne in China, Taiwan oder anderen Produktionsstätten unterstützt, sollten Sie sich beim Hersteller erkundigen. 

TCO-Zertifikate

Auch TCO-Zertifikate können hier weiterhelfen. TCO Certified ist eine Nachhaltigkeitszertifizierung für IT-Produkte mit hohen Nachhaltigkeitsanforderungen.

Berücksichtigen werden verschiedene Aspekte des gesamten Smartphone-Lebenszyklus, wie allgemeine Umweltaspekte, soziale Verantwortung in der Produktion sowie Gesundheit und Sicherheit.

Unabhängige Prüfstellen prüfen die Einhaltung dieser Standards. TCOs zertifizieren häufig IT-Massenprodukte und wollen dazu beitragen, die Herstellung dieser Produkte zu verbessern. Aber nicht jedes nachhaltige Smartphone muss ein TCO-Zertifikat haben. Grund dafür ist die geringere Produktion, der eine nahezu perfekte Kontrolle der Herstellungs- und Lieferkette ermöglicht. Andererseits werden bei großen namhaften Herstellern nicht alle Produktions- und Lieferentscheidungen in derselben Abteilung getroffen.

Fairphone

Das niederländische Startup mit Sitz in Amsterdam wurde 2010 gegründet und informierte zunächst über Konfliktmineralien. 2013 begann das kleine Unternehmen mit der Entwicklung und Produktion des ersten fairen Smartphones überhaupt – dem Fairphone. Entwickelt und designt in Deutschland und produziert in den Niederlanden. Fairphone und everphone sind Partner – entsprechend sind im Rahmen der nachhaltigen Geräte-Langzeitmiete „Phone as a Service“ Fairphones bei everphone erhältlich.

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Themen:Nachhaltigkeit

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